Schiitische Milizen in Syrien I – Brigade Zulfiqar

Die Brigade Zulfiqar (arab. لواء ذو الفقار) ist eine schiitische Miliz, die im syrischen Bürgerkrieg auf der Seite des Präsidenten Bashar al-Assad aktiv ist. Nach eigenen Angaben hat sich die Gruppe gegründet, um die Grabstätte Zaynabs, der von vielen Schiiten verehrten Prophetenenkelin, im südlichen Damaskus vor Angriffen syrischer Rebellen zu schützen. Ihr arabischer Titel lautet Liwāʾ Ḏū l-Fiqār al-mukallaf bi-ḥimāyat maqām as-Sayyida Zaynab, was mit „Brigade Zulfiqar zum Schutz der Grabstätte Sayyida Zaynabs“ übersetzt werden kann.

Zou-Alfikar

Logo der Brigade Zulfiqar

Schiitische Milizen im Kampf gegen „Wahhabiten“
Schiitische Milizen wie die Brigade Zulfiqar vetreten das Narrativ der Assad-Regierung in Hinblick auf den Konflikt in Syrien und betrachten daher die Oppositionsbewegung als von den Golfstaaten, den USA und Israel unterstützte Organisation sunnitischer Extremisten. Die Rebellen werden deshalb beispielsweise als Terroristen oder Wahhabiten bezeichnet da ihnen kollektiv unterstellt wird, den, vor allem in Saudi-Arabien weit verbreiteten dogmatischen Glaubenslehren der Wahhābīya anzuhängen. Wahhabitische Geistliche erkennen Schiiten nicht als Muslime an und bezeichnen sie als Ungläubige. Außerdem sehen sie die bei Schiiten, aber auch vielen Sunniten verbreiteten Pilgerfahrten zu den Gräbern bekannter islamischer Persönlichkeiten als Götzenanbetung an, gegen die vorzugehen sei.

Tatsächlich wurden in der Geschichte schiitische Heiligtümer von Anhängern des Wahhabismus attackiert. Nach eigenen Angaben wollen die schiitischen Milizen in Syrien genau das verhindern, denn Schreine und Grabstätten der Imame und anderer wichtiger Persönlichkeiten der schiitischern Geschichte nehmen eine herausragende Rolle in der schiitischen Religiosität ein. Ihren Einsatz gegen die häufig sunnitischen Rebellen sehen die Milizionäre daher als Selbstverteidigung zum Schutz der schiitischen Muslime.

Die Brigade Zulfiqar hat sich vermutlich im frühen Sommer 2013 gegründet. Ihre Mitglieder kommen angeblich zum Großteil aus dem Irak, dem Libanon und dem Iran.1 Vor allem ihre irakischen Anhänger entstammen ähnlichen Milizen ihrer Heimat, die sich in der Zeit des irakischen Bürgerkriegs nach der Invasion des Landes 2003 durch US-Streitkräfte und die Koalition der Willigen gründeten. Dazu zählen Gruppen wie die Ğayš al-Mauʿūd von Muqtadā aṣ-Ṣadr, ʿAsāʾib ʾAhl al-Ḥaqq von Qais al-Ḫazʿalī oder die Katāʾib izb Allāh unter der Führung von Wāṯiq al-Baā. Benannt hat sich die Brigade Zulfiqar nach dem Schwert des Propheten Muhammad, welches er seinem Vetter Ali vermacht haben soll. Die zweiklingige Waffe hat sich später zu einem wichtigen Symbol der Schiiten entwickelt. Zwar betont die Gruppe, dass sie nicht nur für Schiiten sondern für alle Religionen offen ist, ihre Rhetorik ist jedoch eindeutig schiitisch-islamistisch. Mit ihrer Namensgebung, ihren Slogans und ihrem Selbstverständnis, als in der Tradition des Imam Husseins stehender Widerstandsgruppe, knüpft sie explizit an eine schiitische Symbolik an.

Einsatzgebiet Damaskus
Der Generalsekretär der Miliz ist der Iraker Ḥaydar al-Ğubūrī, besser bekannt als Abū Šahd. Sein Stellvertreter Abū Hāğar wurde im Juli 2013 in Damaskus von Rebellen getötet.² Über die genauere Struktur der Organisation ist sonst wenig bekannt. Bisher scheint die Miliz vor allem im Umland von Damaskus aktiv zu sein. Zu ihren Einsatzgebieten zählen hauptsächlich der im südlichen Damaskus gelegene und schiitisch geprägte Stadtteil Sayyida Zaynab, in dem sich auch die besagte Grabstätte der Prophetenenkelin befindet. Außerdem war die Brigade in anderen Damaszener Vierteln wie Ghouta (östliches Damaskus) und Barzeh (nördliches Damaskus) in Kampfhandlungen verwickelt was darauf hinweist, dass es der Gruppe nicht nur um den Schutz schiitischer Heiligtümer geht.

Kämpfer der Brigade Zulfiqar

Kämpfer der Brigade Zulfiqar

Die Gruppe macht den Eindruck, im Gegensatz zu vielen Rebellengruppen der Opposition, dass sie militärisch vergleichsweise gut ausgerüstet ist. Ihre Mitglieder erscheinen auf Bildern und in Videos, die auf den zahlreichen Webseiten von Anhängern oder Sympathisanten der Gruppe zu finden sind, häufig einheitlich uniformiert und schwer bewaffnet. Teilweise tragen sie kugelsichere Westen. Mitglieder posieren mit AK47 Sturmgewehren, schwereren Maschinengewehren wie der PKM Kalashnikov und mit Scharfschützengewehren wie der Dragunov und der G3 SG1. Auf manchen Aufnahmen sind Kämpfer der Brigade sogar vor schwerem Kriegsgerät wie beispielsweise T-72 Panzern zu sehen, was ein Hinweis für eine enge Kooperation mit den syrischen Streitkräften ist.

Milizen für Assad unverzichtbar
Gerade für den Schutz der syrischen Hauptstadt vor den vorrückenden Kräften der bewaffneten Opposition dürften die schiitischen Milizen für Assad mittlerweile unerlässlich sein. Unter ihren Mitgliedern finden sich Veteranen aus dem irakischen Bürgerkrieg, die dort das Kriegshandwerk erlernt haben und in Bezug auf Kampferfahrung vielen regulären syrischen Soldaten überlegen sind. Es ist davon auszugehen, dass der Strom irakischer, libanesischer und anderer schiitischer Freiwilliger für den Kampf gegen die „Wahhabiten“ und „Terroristen“ der syrischen Opposition vorerst nicht abreißen wird. Auf beiden Seiten des Bürgerkriegs in Syrien festigt sich die Deutung, es handle sich um einen Krieg der verschiedenen Konfessionen. Für die Assad-Regierung bedeutet dies, dass sie auf weitere Unterstützung ausländischer, schiitischer Kräfte zählen kann. Somit können die Milizen nicht nur zu einer Entlastung der syrischen Streitkräfte beitragen, sondern für eine Sicherung der Hauptstadt sorgen, während Regierungstruppen damit beginnen zum Beispiel von Rebellen kontrollierte Gebiete um Aleppo und im Qalamun-Gebirge zurückzuerobern.

Dies ist der erste Teil einer Serie von Artikeln zu schiitischen Milizen im syrischen Bürgerkrieg. In den folgenden Teilen soll unter anderem der Einfluss von Staaten wie dem Irak und dem Iran auf die verschiedenen Milizen beleuchtet werden. Außerdem soll der Frage nach den Mobilisierungsmethoden der Milizen und ihrem Einsatz religiöser Symbolik nachgegangen werden.

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1. http://www.aksalser.com/?page=view_articles&id=2267ba0eb92939199609047b22449304&ar=598218120

2. http://www.abna.ir/data.asp?lang=2&Id=464401

Weitere Quellen:

http://www.alquds.com/news/article/view/id/457816 (Hinweis: entgegen der Bildunterschrift im al-Quds Artikel ist auf dem Foto nicht Abū Šahd sondern der mittlerweile getötete Abū Hāğar zu sehen.)

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One Comment on “Schiitische Milizen in Syrien I – Brigade Zulfiqar”

  1. […] ist der zweite Teil einer Serie von Artikeln zu schiitischen Milizen im syrischen Bürgerkrieg. Der erste Teil handelte von der Brigade Zulfiqar und ihrer Rolle im syrischen Bürgerkrieg. Im dritten und letzten […]


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